Josef

Lehmbrock

Kirchen von

Josef Lehmbrock

Düsseldorf-Rath | Zum Heiligen Kreuz
Essen | St. Suitbert

Der Architekt bestimmt nicht die Form, er ist lediglich der Geburtshelfer für das Entstehen derjenigen Form, die sich aus den Bedingungen der jeweiligen Zeit ergibt.

– Josef Lehmbrock

Josef Lehmbrock wurde am 5. Juni 1918 in Düsseldorf geboren. Hier konnte er nach einer Schreinerlehre im väterlichen Betrieb nur sehr kurz Architektur an der Handwerkschule und der Kunstakademie studieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg überzeugte Lehmbrock als Autodidakt besonders mit Kirchen wie St. Reinhold in Düsseldorf-Gerresheim (1954-57), Zum Hl. Kreuz in Düsseldorf-Rath (1956-58), St. Albertus Magnus in Leverkusen-Waldsiedlung (1958/59) und St. Suitbert in Essen-Überruhr (1963-65). Einfluss auf sein Schaffen hatten Architekten wie Dominikus Böhm oder Rudolf Schwarz mit seinem Buch „Vom Bau der Kirche“ (1938). Emil Steffann wirkte prägend durch das Wiederverwerten von Trümmermaterial. Darüber hinaus ist für Lehmbrock auch Le Corbusiers Wallfahrtskirche in Ronchamp (1950-55) als vorbildhaft zu benennen.

Charakteristisch für die Bauten Lehmbrocks ist das Material Beton in seiner nüchtern-grauen Ansicht. Mit den damals spektakulären Dachentwürfen, die durch die Zusammenarbeit mit dem Statiker Stefan Polónyi gelingen konnten, schuf Lehmbrock zeichenhafte Baukörper: Starke, gegeneinander versetzte Wandelemente, geöffnet durch originelle Lichtbänder, lassen die Fassaden gleichzeitig massiv und aufgelockert wirken. Bewegte, flache Dachkonstruktionen erscheinen schützend und zugleich schwebend.

Als Katholik beschäftigte sich Lehmbrock auch selbst mit Romano Guardini und der Liturgischen Bewegung, um in seinen Kirchen den Versammlungscharakter zu berücksichtigen. Darüber hinaus konnte er einige Einfamilienhäuser sowie in Ludwigshafen-Edigheim eine Wohnsiedlung errichten. Er engagierte sich als kritischer Publizist und Geschäftsführer des Düsseldorfer Architektenrings, den er mitbegründet, für einen menschenwürdigen Wohnungs- und Siedlungsbau. Am 19. Juli 1999 starb Josef Lehmbrock in Düsseldorf im Alter von 81 Jahren.

Text: Elisabeth Maas M. A., Xanten

Literatur (in Auswahl)

  • Hans Körner/Jürgen Wiener (Hg.): Frömmigkeit und Moderne. Kirchenbau des 20. Jahrhunderts an Rhein und Ruhr, Essen 2008.
  • Stephan Strauß: Joseph Lehmbrock. Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne, in: Das Münster. Sonderheft. Erzbistum Köln 2013, 338-344.